Warum spielt Spiritualität in Deiner Arbeit eine Rolle?

 

Oft werde ich gefragt, warum ich in meiner Arbeit mit dem inneren Kind auch die Ebenen der Spiritualität und Elemente des Schamanismus und aus der Esoterik nutze. Sicher sind das sehr zentrale Elemente meiner Arbeit.
Hier ein Auszug eines Interviews, in dem ich genau diese Frage beantworte.

Interview mit Susanne Hühn

„Du schreibst viel über das Innere Kind und verknüpfst die Psychologie mit Spiritualität, Schamanismus und mit Esoterik. Wozu? Würdest du nicht viel mehr Menschen erreichen, wenn du die Esoterik aus deinen Büchern herausnimmst? Sehr namhafte Therapeuten  halten es für überhaupt nicht hilfreich, geistige, vermutlich erdachte Welten zu nutzen, statt sich auf die inneren, eigenen Kräfte zu besinnen. Braucht es wirklich Spiritualität?“

Susanne:

Für mich ja. Denn ich stoße bei der Arbeit mit dem Inneren Kind oft an Grenzen, die ich nicht überwinden kann, wenn ich nicht auf hilfreiche Seelenkräfte zurückgreife. Kinder glauben an Engel, an Krafttiere, an innere Bilder. Und der Gehirnteil, in dem das innere Kind zuhause ist, tut das auch heute noch. Warum also nicht bewusst auf diese Resourcen zurückgreifen? Es geht in meiner Arbeit nicht darum, eine geistige Kraft zu rufen, um nicht selbst als Mensch aktiv werden zu müssen. Es ist äußerst wichtig, dass ein Mensch erkennt: er ist erwachsen, ermächtigt und er kann sich heute selbst retten, auch aus der damaligen Situation heraus. Die Selbstermächtigung ist ein wesentlicher Faktor in der Arbeit mit dem Inneren Kind. Und gleichzeitig gehört für mich zu diesem Selbst ein wenig mehr als die herkömmlichen Kräfte. Ich halte es mit der integralen Theorie von Ken Wilber. 

Wenn ich als Mensch alles getan, habe, um für mein innere Kind da zu sein, darf ich Kräfte rufen, die mich unterstützen.
Viele Klienten scheuen sich, die Verantwortung für ihr Inneres Kind überhaupt zu übernehmen, weil sie glauben, sie schaffen es nicht. Ihnen ein Krafttier, Mutter Erde oder den Schutzengel des Inneren Kindes zur Seite zu stellen ist eine starke Entlastung und befähigt die Menschen oft erst, sich diesem Thema überhaupt zuzuwenden. Ich erlebe es als sehr hilfreich, auch höhere Bewusstseinsebenen wie die Seele in die Arbeit mit einzubeziehen, weil sich viele Themen nicht nur aus der eigenen Geschichte heraus erklären und erlösen lassen. 

Es ist ganz einfach. Ich versuche oft, ein Buch zu schreiben, das sehr viele Menschen erreicht, indem ich die spirituellen Aspekte weglasse. Doch immer, wenn ich das tue, habe ich das Gefühl, ich betrüge meine Leser um das Wesentliche. In meiner Welt gibt es eine Seele,  gibt es diese Kräfte. Ob gehirninduziert oder tatsächlich existent, ist dabei für mich nebensächlich. Ich habe mir diese Sicht der Dinge hart erarbeitet, bin durch alle Zweifel und starren Denkmuster hindurchgegangen. Warum? Weil es mir klug und sinnvoll erscheint, Zugang zu diesen Kräften, ob Gehirnteil oder real, zu haben. Sie sind schlichtweg hilfreich. Wenn mein Gehirn in der Lage ist, diese Kräfte wahrzunehmen, und sei es auch nur, indem es sich diese Kräfte „ausdenkt“, und wenn ich dabei Erleichterung und echte Erlösung erfahre, dann reicht das für mich als Grund, sie in meine Arbeit mit einzubeziehen. Ich gehe sogar so weit, zu sagen: ab einem gewissen Punkt komme ich gar nicht mehr drum herum, spirituelle Ebenen abzurufen. Sie drängen sich mir geradezu auf. 

Ja, ich weiß natürlich, ich erreiche sehr viel mehr Menschen, wenn ich nicht über Engel und Seelenkräfte schreibe, wenn es um das Innere Kind geht. Aber nicht die, die ich erreichen will und für die ich diese Arbeit entwickle. 

Ein bisschen Pathos? 

Ich bin hier, um verschiedene Bewusstseinebenen zugänglich zu machen, ich kann nicht anders. Sogar dieser Text wird sofort spirituell. Ich kann einfach nicht anders.